Logistik · Automatisierung
Fahrerloser Lkw bei Lidl: 400 Meter, 25 km/h, Begleitfahrzeug
Ein Elektro-Lkw ohne Führerhaus beliefert seit Mitte September eine Lidl-Filiale bei Kassel, genehmigt vom Kraftfahrt-Bundesamt. Die Strecke misst rund 400 Meter, erlaubt sind 25 km/h, und ein Mitarbeiter fährt im eigenen Auto hinterher.
16. September 2026 · 3 Minuten Lesezeit
Kurz gefasst
- Lidl beliefert eine Filiale bei Kassel mit einem fahrerlosen Elektro-Lkw, genehmigt vom Kraftfahrt-Bundesamt.
- Der Haken: rund 400 Meter Strecke, höchstens 25 km/h, ein Mitarbeiter begleitet im eigenen Auto.
- Für Ihren Betrieb zählt der Streckentyp: kurze, täglich wiederholte Wege zwischen eigenen Gebäuden.
Lidl hat am 15. September 2026 mitgeteilt, dass ein Elektro-Lkw ohne Führerhaus eine Filiale im hessischen Edermünde bei Kassel beliefert. Das Fahrzeug stammt vom schwedischen Anbieter Einride, fährt auf öffentlicher Straße und hat dafür eine Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Es fasst 15 Europaletten, fährt bis zu dreimal täglich und soll im viermonatigen Projektzeitraum über 3.000 Paletten aus dem Verwaltungs- und Warenverteilzentrum in die Filiale bringen.
Im Lkw sitzt niemand, hinter ihm schon
Einen Fahrerplatz hat das Fahrzeug nicht. Ein sogenannter Local Operator begleitet die Fahrt in einem eigenen Auto und übernimmt in der ersten Phase außerdem das Be- und Entladen der Waren. An der Zahl der Menschen, die für diese Strecke gebraucht werden, ändert der Pilotbetrieb vorerst nichts.
Für den Pilotbetrieb sind höchstens 25 km/h erlaubt. Die Verbindung zwischen Verteilzentrum und Filiale ist rund 400 Meter lang. Ob das Fahrzeug technisch schneller fahren könnte, geht aus der Auflage nicht hervor.
Die Schwarz Gruppe begründet das Projekt mit dem Fachkräftemangel in der Logistik, der bereits heute spürbar sei, und mit der Verlässlichkeit der Warenversorgung. Der Lkw fahre nicht auf einem abgesperrten Testgelände, sondern in einem definierten Einsatzbereich unter realen Bedingungen.
Was die Genehmigung abdeckt
SAE-Level 4 bedeutet, dass ein Fahrzeug innerhalb eines vorher festgelegten Einsatzbereichs ohne Menschen an Bord fährt. Über eine freie Fahrt durch beliebige Straßen sagt die Einstufung nichts. Die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes gilt für genau diese Verbindung in Edermünde und die dort festgelegten Bedingungen. Für eine zweite Phase ab 2027 planen Lidl und Einride, die einzelne Fahrt zu einem Milk Run mit mehreren Haltepunkten auszubauen.
Was der Einsatz kostet, teilt Lidl nicht mit. Es gibt keine Angabe zum Preis des Fahrzeugs und keine dazu, was die Begleitung im zweiten Auto kostet. Ein Vergleich mit einem herkömmlichen Lkw samt Fahrer lässt sich daraus nicht aufstellen.
Einride ist seit Juni 2026 an der Nasdaq notiert und meldete für das erste Halbjahr 2026 einen währungsbereinigten Umsatz von 273 Millionen schwedischen Kronen bei einem Nettoverlust von 1,12 Milliarden Kronen, der hohe einmalige Posten rund um den Börsengang enthält. Ob daraus ein Angebot wird, das ein mittelständischer Betrieb kaufen kann, zeigt sich erst.
Was daran auf Ihren Betrieb übertragbar ist
Die automatisierte Strecke in Edermünde ist rund 400 Meter lang, führt immer denselben Weg und wird bis zu dreimal am Tag gefahren. Dieser Zuschnitt ist das Übertragbare, nicht der Lkw: ein kurzer Weg, der sich mehrmals täglich wiederholt und nie anders verläuft. Solche Wege gibt es in fast jedem Betrieb mit mehr als einem Gebäude.
Nehmen Sie eine Bäckerei mit 120 Beschäftigten, deren Backstube die eigenen Filialen beliefert. Zwischen Produktion, Kühlhaus und Verladung laufen jeden Tag dieselben Fahrten, oft von jemandem erledigt, der dafür aus einer anderen Aufgabe herausgezogen wird. Die Frage ist nicht, ob dort ein fahrerloser Lkw hinpasst, sondern ob jemand je gemessen hat, wie viel Zeit diese Wege kosten.
In Gesprächen erlebe ich regelmäßig, dass genau diese internen Fahrten in keiner Auswertung auftauchen. Sie stehen auf keinem Auftrag und in keiner Nachkalkulation, weil sie niemandem zugeordnet sind. Wer sie nicht kennt, kann auch nicht beurteilen, ob sich Technik dafür lohnt.
Was Sie in der nächsten Woche tun können
Lassen Sie eine Woche lang mitschreiben, welche internen Transporte gefahren werden, wie oft und von wem. Ein Blatt Papier am Stapler und an der Rampe reicht dafür. Am Ende der Woche wissen Sie, ob das Thema in Ihrem Betrieb zwanzig Minuten am Tag ausmacht oder zwei Stunden.
Eine Investition in Fahrzeug- oder Fördertechnik würde ich von diesem Ergebnis abhängig machen. Ob sie sich rechnet, hängt vom Einzelfall ab, vom Hallenlayout ebenso wie davon, was die Leute in der gewonnenen Zeit sonst tun würden. Die Messung selbst kostet Sie nichts außer der Woche.
Was in Edermünde fährt, ist ein Versuch über rund 400 Meter mit einem Begleitfahrzeug. Er zeigt vor allem, dass das Kraftfahrt-Bundesamt solche Genehmigungen inzwischen erteilt. Bis daraus ein Angebot für Betriebe Ihrer Größe wird, vergeht Zeit, die Sie für die eigene Bestandsaufnahme nutzen können.
Passt dazu
Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride bringen E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen. Lidl Deutschland, 15. September 2026. Abgerufen am 16. September 2026: https://unternehmen.lidl.de/pressemitteilungen/2026/260915_autonomer_lkw
Ebenfalls verwendet: Autonome Filialbelieferung im Realbetrieb bei den Unternehmen der Schwarz Gruppe, Schwarz Gruppe: https://gruppe.schwarz/content/story-autonome-filialbelieferung
Ebenfalls verwendet: Ohne Führerhaus: Lidl lässt autonomen Lkw auf die Straße, ComputerBase: https://www.computerbase.de/news/mobilitaet/ohne-fuehrerhaus-lidl-laesst-autonomen-lkw-auf-die-strasse.99420/
Ebenfalls verwendet: Einride Reports First Half 2026 Results, Einride AB (GlobeNewswire): https://www.globenewswire.com/news-release/2026/08/18/3346669/0/en/einride-reports-first-half-2026-results.html
Diese Zusammenfassung und die Bilder sind mit KI-Unterstützung entstanden; gelesen, geprüft und freigegeben von Christian Zöllner. Zahlen stammen ausschließlich aus den oben genannten Quellen.